Botswana Reisebericht: Durch den afrikanischen Busch

 
Löwen-Weibchen, gähnende löwin
 
28.06. Serondela
Zu Afrika gehören naturgemäß einige Unwegsamkeiten. Unsere nahmen die Form einer Avis-Angestellten an, die eine Stunde dazu braucht, um zu verstehen, dass wir schon in Deutschland bezahlt haben; desweiteren die Form einer Bank, die sichtbar Schwierigkeiten im Umgang mit Traveller-Schecks hat und uns die nächsten zwei Stunden kostet und schließlich einer Verkäuferin, die uns Kanister verkaufen will und das im Gespräch mit der Nachbarin prompt wieder vergisst. ”Alles eine Frage der Selbstdisziplin”, meint mein Mann, als wir nach vier Stunden ermattet an der Tür eines Shops sitzen, dem letzten vor 600 km Busch, der natürlich gerade geschlossen hat. Derweil turnen die Meerkatzen auf dem Dach, und das Radio der Tankstelle geigelt afrikanische Musik. Als der Shop wieder geöffnet hat, erstehen wir neben Brot und Saft eine luftdicht verschließbare Box, in die wir Lebensmittel geruchs- und damit elefantensicher transportieren können. Damit sind wir mit der Welt wieder weitgehend versöhnt. Mit 180 l Benzin (3 Reservetanks), 30 l Wasser, 10 l Saft und 5 Broten fahren wir in den Busch ein. Er beginnt gleich hinter dem letzten Haus Kasanes. Dort hört nämlich die Asphaltstraße auf, und die Sandridge fängt an, weißlich geblichen wie manches trockene Laub an den Bäumen. Den ersten Elefanten begegnen wir wenige Meter später: Sie baden sich im Chobe-Fluss.
 
 
So glückselig könnte es eigentlich weitergehen, wenn da nicht der Einlass des Chobe-Nationalparks wäre, bei dem man die Reservierungen für die Nächte nachweisen muss. Hätten wir nicht zufällig ein Ehepaar getroffen, das uns mit Tipps aushalf,  wir säßen wahrscheinlich immer noch am Einlass - ohne Einlass. Das Tourismusbüro in Kasane ist eine Baracke. Man findet im ganzen Ort kein einziges Hinweisschild, und jenes, das mal an der Baracke hing, ist bezeichnenderweise heruntergefallen. Der Officer, oder wie auch immer er heißt, telefoniert mit Maun und bucht uns jeweils Stellplätze. Im Nachhinein muss ich darüber schmunzeln: Der Stellplatz, den er uns in Serondela reserviert hatte, war nach seinen Aussagen eigentlich schon voll. In Realität waren es dann ganze fünf Camper. Unsere nächsten Nachbarn stehen mit ihrem Zelt etwa 100 Meter weit entfernt, ja nicht näher, damit auch jeder die Wildnis für sich genießen kann. Und kontrolliert hat uns bisher auch keiner.
Neben mir schnarcht unser Töchterchen. Ihr Schnarchen übertönt sogar das Zirpen der Grillen und könnte selbst einen Löwen erschrecken. Nur die Paviane streiten sich noch um irgendetwas, vielleicht um die Reste unseres Brotes, das uns der Pavian-Mann zum Abendbrot stahl. Das Auto krachte - und noch ehe wir an der offenen Kofferraumklappe waren, verschwand er mit einem Essbeutel im Gestrüpp. Den Beutel bekamen wir wieder, allerdings leer. Und wenige Meter von uns entfernt saß er, fraß genüsslich das Käsebrot und blickte erst dann betreten zur Seite, als wir ihn fragten, ob er sich denn überhaupt nicht schämen würde. Wir zelten am Ufer des Chobe. Neben uns bricht das Ufer unvermittelt ab, und im Schilf, drei Meter unter uns, liegen schlaftrunken die Krokodile. Die Sonne fiel glutrot in den Chobe hinein, kurz und abrupt, wie es sich für afrikanische Sonnenuntergänge gehört. Und nun hat uns die afrikanische Nacht. Irgendwo im Busch kreischt es auf, vom Fluss her hört man das Grunzen der Hippo`s, dann tiefe, tiefe Stille.