Namibia Reisebericht:
Die Kalahari – Regen (er)Leben

Das Schilf neben dem Wasserbassin wog sanft im Wind,  piksend – kitzelnd - streichelnd, erlaubte mir nie länger als ein paar Minuten einzudösen.  Ich blinzelte durch die Halme und beobachte die Wolken die sich wie riesige flauschige Hüte aus Zuckerwatte am Himmel auftürmten und rastlos in großer Eile vorüberzogen.  

Der Geruch von Regen lag in der Luft.

Ich entschloss mich zu Fuß zu den Dünen zu wandern. Der rote Kalaharisand hatte die Hitze der Mittagssonne förmlich aufgesogen und ließ den kurzen Weg vom Bassin zur Veranda des Hauses zu einer wahren Fakirübung werden. Ich schlüpfte in meine alten ausgelatschten Lederschlappen, pflückte noch schnell ein paar frische Früchte vom Feigenbaum neben der Farm-einfahrt und machte mich auf den Weg. Nur ein paar Schritte folgte ich den Fahrspuren, dann lief ich quer durch das Veld. Gedankenlos, genoss den süßen fruchtigen Geschmack der reifen Feigen, das rascheln der streifenden Gräser und das knirschen der ausgetrockneten Erde unter meinen Füßen.  
 
 
Mein Blick tastete mit größter Präzision über die leblose, zerklüftete Bodenkruste und registrierte jede noch so kleine Veränderung,  tauchte ein in die Farben und Formenvielfalt der unzähligen verschiedenen Strukturen.  Handgroße Quarkristalle die von zarten rosa bis zu kräftigen grünen Farbnuancen in der Sonne schimmerten,  lagen dort: völlig nackt.  Ich hob einen zartrosa schimmernden Quarzkristall auf und hielt ihn fasziniert gegen die  Sonne. Wahrscheinlich lag er dort schon Jahrtausende, täglich der Gewalt der Sonne und des Windes ausgesetzt, lag dort wie ein Hoffnungsschimmer inmitten der Wüste.
 
-Namibia Land der Extreme-
 
 Ein Geräusch ließ mich aufschrecken und wie ein Blitz hämmerten mir nun wieder die Worte der Buschmänner durch den Kopf: „eine Sekunde Unaufmerksamkeit kann dich im Busch das Leben kosten“. Eine Adrenalinwelle durchflutete meinen Körper. Reflexartig machte ich einen großen Satz zur Seite und realisierte erst jetzt das unmissver-ständliche zischende Geräusch einer Schlange, welches mich aus meiner Gedankenlosigkeit riss. Mein Geist hellwach, das Blut noch immer rasend in meinen Adern pulsierend, entfernte ich mich vorsichtig rückwärts Schritt für Schritt. 
 
 
 
Erst aus sicherer Entfernung erkannte ich, dass es sich bei dem für mich erst undefinierbaren Knäuel um ein eng in ineinander verschlungenes Kobrapärchen handelte.  Eine Weile noch hockte ich voller Ehrfurcht in einiger Entfernung und beobachtete dieses einmalige und seltene Naturschauspiel. Während ich meine Wanderung zu den Dünen fortsetzte türmten sich die Wolken am Himmel immer mächtiger auf. Die Kameldornbäume standen jetzt Ende November in voller Blüte und lockten mit ihrem süßlichem Geruch Scharen weißer Schmetterlinge an, welche wie ein große weißer Schleier die von gelben Blütentupfen bedeckten Baumkronen verhüllten. Nur noch wenige Meter trennten mich von den Dünen auf denen ich schon etliche Sonnenuntergänge verbracht hatte und die überwältigende Stille Namibias erleben durfte.