Südafrika Reisebericht:
Mit Rovos Rail zu den Victoriafällen

 Als müsste der Himmel zu unserem Abschied weinen verdeckten Wolken den Tafelberg, hing der Nebel tief über der Stadt.

 

 
 
Der Zug THE PRIDE OF AFRICA ist ein Privat-Zug. In originalgetreu restaurierten, mit kostbarem Holz ausgestatten Luxus-Wagons reist man wie zu Zeiten der “Belle Epoque“ und  der  „Goldenen 20er“.  Weltweit wurde altes Rollmaterial zusammen getragen und  instand  gesetzt. Der eine Speisewagen stammt z.B.  aus einer Zugskomposition aus Schanghai  und trägt die Jahreszahl  1924. Natürlich wurde jede Suite in den Wagons diskret  mit neuzeitlichem Komfort ausgerüstet. Klimaanlage, Kühlschrank, Heisswasserdusche,  usw.  Allerding hat man dem Nostalgie-Gefühl zuliebe bewusst auf Unterhaltungselektronik in den Salon-Wagons verzichtet.
 

   


Treffpunkt zur Reise nach Pretoria, dem ersten Teilstück, war  in der „Rovos-Lounge“  beim  Kapstädter Hauptbahnhof.  Zum Empfang offerierte  die Gesellschaft  Getränke nach Wunsch. 10.45 Uhr  war Boarding.  Die 60 Fahrgäste begaben sich zum Zug wo die Suiten zugewiesen wurden; das Gepäck bereits an Ort. Schlag 11.00 Uhr, genau nach Fahrplan, setzte sich der Zug in Bewegung.

Erst an Townships vorbei  aus Kapstadt hinaus. Durch das Kap-Weinland über Paarl - Wellington immer paralell der  Strasse  R 44 entlang bis nach Gouda. Dann wieder ostwärts nach Worcester. In vielen Kurven windet sich die Strecke auf 480 M.ü.N. und  führt nun im „Hexriver Valley“ durch den   gleichnamigen  Gebirgszug.  Eine faszinierende, abwechslungsreiche Landschaft.
 
 

 

Sieben Stunden dauerte die 320 km lange  Fahrt bis zum ersten kurzen Halt  in MATJIESFONTEIN.  Dieser kleine im victorianischen Stil erbaute Ort war vor der Jahrhundertwende wegen dem besonderen, trockenen Klima eine Erholungsstätte für TBC-Kranke und Asthmatiker. Im  Burenkrieg  1899 – 1902 diente er als Garnisonsstadt britischer Truppen und beherbergte  gegen  12‘000 Mann.  Eine gewisse Berühmtheit  erhielt das Städtchen durch  die südafrikanische  Schriftstellerin und Feministin Olive Schreiner.


 

Angefangen hat die Besichtigung mit einem lustigen Spaß: Laut einladend rief der Führer mehrmals „it’s showtime!“, dazu blies er seine Trompete. Dann ging es los – mit dem uralten engl. Doppeldeckerbus  zweimal die Hauptstrasse rauf und runter, jeweils 100 m. Das war es dann!!  Doch das alte Hotel ist  wirklich sehenswert. Und das Bier  zusammen mit Einheimischen in der schönen alten Bar war auch nicht schlecht.

 

   

Das  5 gängige  Dinner,  in der engen Küche zwischen den zwei Speisewagons zubereitet, ließ nichts zu wünschen übrig.   Ebenso wenig  wie der anschließende Dessertwein im Salonwagon und das „Bettmümpfeli oder Betthupferl“  in der eigenen Suite.  Schlafen im fahrenden Zug, das Geräusch der Räder,  war jedoch etwas gewöhnungsbedürftig,  doch Ohrpfropfen  schafften Abhilfe.


 

Die Fahrt nach KIMBERLEY  führte durch die „Grosse Karoo“ und „Obere Karoo“. Streckenweise steppenartige  Halbwüste. Doch  kleinere Flussläufe und der Orange River  sorgen für nötiges Wasser, das manchem Farmbetrieb  die Existenz ermöglicht.  Die Stadt Kimberley ist wirtschaftlich vom Diamantenbergbau geprägt und abhängig. Alles dreht sich um das BIG HOLE.  In  1097 m Tiefe wird nach Diamanten geschürft.  Hier hat Cecil Rhodes  1871 und in den Jahren darnach mit seiner Firma  De Beers  ein Riesen Vermögen gemacht.  Heute wird hier hauptsächlich Industrie-Diamant gefördert,  nur ein kleiner Prozentsatz wird noch für  Schmuck verwendet.
Ein kleines Freiluft-Museum am Big Hole gibt Einblick in das Leben der damaligen Diamantensucher und großen Geschäftemachern.
 
 
 


Nach dem netten Empfang am Zug ging die Reise weiter  Richtung Pretoria. Vorbei an kleinen Seen mit Flamingokolonien, entlang dem Flusslauf  des VAAL.

Nach einer weiteren Nacht erreichten wir mittags den rovoseigenen  Bahnhof „Capital Park Station“. Hier wurden wir vom Zugsbesitzer Rohan Vos persönlich  empfangen.  Noch die obligaten Erinnerungsfotos und dann wurden die Gäste ,  die nur dieses Teilstück mitfuhren,  mit einem Abschiedsumtrunk  und einer kleinen Urkunde verabschiedet.  Alle andern übernachteten in einem  Hotel in Pretoria. Der Zug musste gereinigt und neu versorgt werden.

 

 
 
Nach einer erholsamen Nacht im ruhigen Hotelbett, wurden wir abgeholt und wieder zur „Capital Park Station" gefahren.  Eine persönliche Verabschiedung durch Rohan Vos, sogar mit Händeschütteln und wir bezogen wieder unser Abteil. Welche Überraschung –  da stand zum Valentinstag ein Geschenkkorb gefüllt mit Schokolade.

Die Fahrt nun Richtung Grenze von Zimbabwe. Auch hier eine abwechslungsreiche Landschaft. Nach der Traversierung der Soutpansberg Mountains  war es Zeit für das exzellente Dinner.  Den  Abend beschlossen wir nicht ohne den obligaten „Verteiler“  und des Genusses des „Gute Nacht“ Präsentes. Während der Nacht erreichten wir die Grenze und standen dort während fast 4 Stunden. Solange brauchte die zimbabwesischen Grenzbeamten   für die Abfertigung der Papiere und der Visas. In der Zeit konnten wir  herrlich ruhig schlafen und gemütlich frühstücken.


Nun fuhren wir durch eine völlig andere Gegend. Vewilderte einstige Grossfarmen. Früher blühende, ertragsreiche Getreidefelder oder Weiden liegen heute brach. Ein paar einfache, typisch zimbabwesische Rundhäuser stehen noch da.  Die ehemaligen Farmarbeiter bestellen nur noch magere Äcker eng um ihre Hütten. Kinder rennen bettelnd dem langsam fahrenden Zug nach.  Zimbabwe war einmal die Korn- und Fleischkammer für ganz Afrika.  Seit die weißen Farmer vertrieben wurden  verarmt das Land, es herrscht bitterste Not.
 
 
 

   


Am Abend, wir saßen gerade beim Apéro im Salonwagen, gab es plötzlich ein Rumpeln und der Zug blieb abrupt stehen. Etwas ratlos schauten wir uns gegenseitig an. Was ist den los?  Haben wir einen Elefanten angefahren?  Ein paar  Minuten später gab der Zugsmanager –  leicht schwitzend – bekannt, dass der dritte Wagen des Zuges, ein Versorgungswagen, entgleist wäre. Ein Radlager hatte sich festgefressen, blockiert und dadurch sprang das Rad aus den Schienen. Gott sei Dank keine Personen involviert. Jedoch müssten wir mit gut 15!! Stunden Verzögerung rechnen, bis der Schaden behoben wäre. Dadurch fiele die geplante Safari im Hwange National Park aus.  Schade aber wohl nicht zu ändern. Doch wenigstens stand uns eine ruhige Nacht bevor.

Tatsächlich  lagen wir  dann bis nach dem Frühstück  an der Unglückstelle. Gegen 10.00 Uhr endlich das erlösende Ruckeln und Zuckeln. Der Zug setzte sich langsam wieder in Bewegung.
Eine landschaftlich interessante Felskulisse begleitete uns  durch  die Matobo-Bergkette.  Nach der Stadt Bulawayo (1360 M.ü.M.) durchquerte wir eine Hochebene. Hier fuhren  wir über die alte Geleiseführung der Eisenbahnstrecke „Cape to Cairo“  die von Cecil Rhodes  um 1892 angefangen wurde, deren Fertigstellung er aber nicht mehr erlebte. Im Verlaufe der Zugsreise fuhren wir noch an einer  weiteren, viel  gravierenderer Unglücksstelle vorbei.  Allem Anschein nach erst vor wenigen Tagen geschehen.

Bedauerlicherweise passierten  wir infolge unseres Missgeschickes  ohne Halt  die Ostgrenze des Hwange National Park.  Die geplante Safari in dem mit 14000 km²  größten Park Zimbabwes  hätte sicher das eine oder andere schöne Bild ergeben.


 

Infolge unserer Reiseverzögerung schliefen wir eine weitere  Nacht an Bord des  Zug, bevor wir morgens gegen 08.30 Uhr direkt  am Victoria Falls Hotel ankamen..
Eine tolle Eisenbahnfahrt - der Zug war das Ziel. Auch wenn wir  in diesem Luxuszug bequem und bestens untergebracht waren, nach der doch langen Reise waren wir nicht unglücklich am Ziel zu sein.
Das VICTORIA FALLS HOTEL  ist ein herrlich altes Hotel im Kolonialstil, mit dem Charme einer längst vergangener Blütezeit.  Noch immer steht ein rotbefrackter Portier  mit weisen Handschuhen und schwarzem Zylinder an der Eingangstür. Ein Heer von  Bediensteten  rauscht durch das Haus. Alle sehr zuvorkommend.  Die Zimmer mit Bildern in Goldrahmen und  einem  separatem Sitzraum. Richtiger englischer Stil. Man erwartet förmlich der Queen zu begegnen.  Das Haus steht in einem schön gepflegten Park mit Terrasse  und direkter Sicht zu den Fällen. Diesen Blick hatten wir auch aus unserem Zimmer wo  ab und an bettelnder Besuch  vor dem Fenster saß.  Dass das Wasser oder der Strom nur gelegentlich funktionierte, konnten wir diesem alten Gemäuer  einfach  nicht übel nehmen.
Am Frühstücksbuffet merkten wir deutlich in welchem Land wir uns befanden. Man gab sich ja Mühe, jedoch wo nichts gibt kann man nichts auftischen. 

   


Die VICTORIA FÄLLE  sind  fantastisch. Zu Recht gehören sie zu den größten Naturschauspielen dieser Erde. Auf ca. 1,7 km Breite stürzen immense Wassermassen  bis 108 m in die Tiefe.  In einer engen nur etwa 25 m breiten Schlucht zwängt sich der "SAMBESIFLUSS"  als reißender, wilder Strom  zum „Lake Kariba“. Eine unheimliche Gischt lässt in Minutenschnelle Kleider und Kamera nass werden. Regenüberwürfe  sind ein Muss, können  aber geliehen werden.  Die Kamera bestmöglichst schützen, sonst ist es mit dem  funktionieren  schnell  vorbei. (ich habe extra die Tauchbox mitgenommen). Unangenehm bis lästig sind die aufsässigen Souvenirhändler. Auf  dem 1 km langen Weg zum Victoria Falls Park (Eintritt   $  20.--) wird man richtig verfolgt, fast ein Spiessrutenlaufen.

Ausgerechnet während unseres Besuches befand sich ein Helikopter in Revision, der zweite dadurch ausgebucht.  So  gab es für uns keinen Rundflug.  Schade, denn nur aus der Vogelperspektive ist dieses gewaltige Spektakel  in der gesamten Größe zu sehen.

   

Eine  Flussfahrt auf dem SAMBESI,  bei untergehender Sonne,  ist  ein besonders schönes Erlebnis. ($  55.--/Pers.) Dass man während der Fahrt auf dem fast 2 km breiten,  ruhig daher fließenden Strom  den verschiedensten Tieren begegnet, macht die Bootstour noch reizvoller.


 

Wir sind am Schluss unserer Reise. Auf dem kleinen Flughafen „Victoria Falls“ einchecken wie zu Anfängen des Flugreisens – die Bordkarten und Gepäckscheine von Hand geschrieben. Ob dies wohl alles klappt? Es klappte – sowohl in Johannesburg wie auch in London. Auch das durchgecheckte  Gepäck  war in Düsseldorf auf dem Band. Anders wie auf dem Hinflug von Australien.
Noch einen letzten Blick zurück auf die Fälle. Wie aus  einem gewaltigen Erdriss sahen wir noch einmal  die Gischt aufsteigen. 
Mit vielen fantastischen Eindrücken und Erlebnissen „im Gepäck“  war  eine wunderschöne Reise zu Ende.