Bangladesh Reisebericht: Bengalische Gastfreundschaft in Darjeeling

Ich saß auf einer Anhöhe in Darjeeling und betrachtete den Sonnenaufgang über dem Kanchenjunga. Majestätisch erhob sich dieser 8.598 m hohe schneebedeckte Berg in den blauen Himmel und leuchtete in der morgendlichen Dezembersonne rot und goldfarben auf. Aus einem nahegelegenen buddhistischen Kloster wehten Fetzen des monotonen Gesangs der Mönche und vereinzelt der Klang eines Gongs herüber.

Die nächsten Tage sollten in starkem Kontrast zu dieser Weite und Stille stehen, denn ich wollte weiter nach Dhaka/Bangladesh.

 

Ein letzter Blick auf die Berge, dann schlängelte sich der Toy train, eine von den Engländern gebaute Schmalspurbahn, durch Teeplantagen und Bambuswälder hinunter ins 80 km entfernt gelegene Siliguri. Um den Höhenunterschied zu überwinden, zockelte der Zug mit rund 9 km/h zickzack und in zahlreichen Kehren in die westbengalische Ebene. Während der Fahrt pflückten einige Inder durch das Fenster Blumen und verarbeiteten sie zu kunstvollen Gestecken; Schulkinder machten sich einen Spaß daraus, zwischendurch aufzuspringen und ein paar Meter mitzufahren. Unterwegs wurde die 127 Jahre alte Siemens-Dampflok mehrmals geölt und aus großen Tanks entlang der Strecke der Wasservorrat des Zuges nachgefüllt.

Abends befreite ich mein Gepäck und mich notdürftig vom Ruß, der durch die offenen Fenster in den Zug geweht war, um am nächsten Tag halbwegs ordentlich nach Bangladesh einzureisen. Im Bus Richtung Grenze hatte ich zunächst einen Sitz ganz vorne, der mir ausreichend Platz für Beine und Rucksack sowie eine gute Sicht bot. Der Schaffner bat mich jedoch bald nach hinten neben seine Schwester, die sich mit mir unterhalten wollte. Sie sprach ein wenig Englisch, arbeitete in Siliguri und fuhr nun zu ihrer Familie. Als einzigem Europäer im Bus galt mir die Aufmerksamkeit der meisten Mitreisenden, die allesamt Fragen auf Bengali stellten und meine Antworten nach deren Übersetzung mit Ah's und Oh's quittierten.