Indonesien Reisebericht: Dschungelgeburt

Geburtsstunden sind Sternstunden. Es heißt, dass nicht nur ein neuer Stern aufgeht, wenn ein Menschenkind geboren wird, sondern dass auch eine grundlegende Erkenntnis oder Einsicht gewonnen wird in dieser so wichtigen Stunde. Vielleicht wird diese Stunde aber auch wegen der neuen Erkenntnis so wichtig. Bei mir traf beides zu.

Auf einer Tour, bei der wir die kleine Insel Lombok zwischen Bali und Sumbawa ansteuerten, besuchten wir im Inneren des Eilandes ein indonesisches Dorf. Die Wege waren ausgetreten, so dass wir von der so genannten Hauptstraße, die ein etwas breiterer Trampelpfad war, noch einige Kilometer durch Dickicht bei etwa 35 bis 40 Grad Wärme und über 90-prozentiger Luftfeuchte stapfen mussten.
 
 
Zuerst schien das Dorf wie ausgestorben, so dass wir uns wie Eindringlinge vorkamen. Doch beobachtet wurden wir die ganze Zeit, weil auch Speicherhütten, „Männer- und Frauenhäuser“, Augen besitzen, von denen ein Fremdling und Nichteingeborener nichts weiß.
Plötzlich ein Aufschreien und Stöhnen. Als eine Frauen- oder Mädchenstimme deutete meine Frau diesen Schrei in der Stille. Wir näherten uns behutsam der Pfahlhütte, aus der das Stöhnen kam. Ich stieg vorsichtig die grobe Leiter ohne Handlauf empor und klopfte zaghaft an einen Balken, um mich bemerkbar zu machen. Als Eindringling und noch dazu ungebetener Gast weiß man nie, wie man empfangen wird.