Jemen Reisebericht:
Abenteuer mit dem Fahrrad durch die Märchen aus 1001 Nacht

Ein Hustenanfall schüttelt mich, lässt mich nach Atem ringen und reist mich aus einem unruhigen Schlaf. Der kahle Raum, in dem ich mich be-finde, ist stauberfüllt. Die 2 nackten Glühbirnen an der Decke können die Staubwolke mit ihrem diffusen Lichtschein kaum durchdringen. Irgendwer fegt zu dieser nächtlichen Stunde den Boden, ich habe das Gefühl, ersti-cken zu müssen. Ich drehe mich zur anderen Seite und erschrecke. Tief-dunkle Augen schauen mir aus einem verwegen wirkendem Gesicht aus nur 50 cm Entfernung entgegen, aus einem zerzausten Bart grinst mich eine Kraterlandschaft von einem Gebiß an, die wenigen noch vorhande-nen Zähne haben auch keine große Zukunft mehr.

Dieses Bild ist kein Traum, ich weiß jetzt wieder, wo ich mich befinde. Ne-ben meinem Bettnachbarn befinden sich noch ca. 30 ebenso wild aus-sehende Gestalten in dieser einfachen Herberge.

 

Ich muß an Ali Baba und seine 40 Räuber denken. So ähnlich müssen die geheimen Zusammen-künfte dieser sagenumwobenen Bande ausgesehen haben. Bewaffnet bis an die Zähne, mit Krummdolch und Kalaschnikow, dazu das Angst ein-flößende Äußere der Männer, ich mußte schon etwas Mut aufbringen, um es mir in diesem „erlesenen“ Kreis gemütlich zu machen.

Doch ich war froh, an diesem Abend nach einer anstrengenden Tages-etappe dieses Quartier in diesem landestypischen „Funduk“ gefunden zu haben, der aus einem einfachen, schlichten, garagenähnlichen Raum besteht. Wer einen Platz für die Nacht sucht, belegt einfach eins der klapp-rigen Bettgestelle, eine ausgefranste und durchgelegene Matratze sorgt für individuelle Bequemlichkeit. Mit großem Erstaunen wurde ich hier empfan-gen, nur zu selten –wenn überhaupt- verirrt sich ein Tourist hierher. Als ich dann auch noch mein Fahrrad über die hohe Eingangsstufe in diesen Schlafsaal wuchtete, beladen mit mehr als 30 kg Gepäck, war der Video-film, der im Fernseher in der Ecke lief und die Aufmerksamkeit der qat-kauenden Anwesenden bis dahin voll „im Griff“ hatte, schlagartig unin-teressant geworden. Mit Händen und Füßen und einem kleinen Arabisch-Lexikon beantwortete ich –so gut wie es ging- die neugierigen Fragen der Jemeniten über Herkunft, Name und vor allem über meine Tour durch den Jemen. Und nach anfänglicher vorsichtiger Zurückhaltung entwickelte sich ein für mich unvergesslicher Abend, an dem ich mehr über das jemeniti-sche Alltagsleben kennen lernte als in jedem Reiseführer steht.