Tadschikistan Reisebericht :
Als Frau allein durch Tadschikistan

Donnerstag Abflug von Wien nach St. Petersburg. Das Gepäck wurde nicht nach Duschanbe (das bedeutet „Montag“ auf Farsi - dort gab es montags den Wochenmarkt), der Hauptstadt von Tadschikistan, durchgecheckt. Da hatte ich bereits das erste Mal ein mulmiges Gefühl. Ohne ein Wort Russisch, wie wird das gehen beim Umsteigen? Nun, in St. Petersburg angekommen, merkte ich, dass ich mich an einem Schalter melden musste, also stellte ich mich dort an. Zum Glück sprach mich bald ein Mann auf Deutsch an – ein Russlanddeutscher – der mir Einiges erklärte und am Schalter als Dolmetsch fungierte. Dadurch kam auch ein Kontakt mit zwei jüngeren Männern aus Deutschland (genau genommen aus der ehemaligen DDR, daher also mit erstklassigen Russischkenntnissen) zustande, die auch nach Duschanbe weiter wollten. Die Gepäckabholung fand dann so statt, dass wir einzeln durch eine Tür zum Gepäcksband gehen durften, nachdem wir unseren Reisepass abgegeben hatten, und unser Gepäck holen konnten. Danach lange Wartezeit im Transitbereich auf eine Flughafenangestellte, die uns vom internationalen Flughafen zum nationalen begleiten sollte. Da wir nun zu dritt waren, konnten wir uns zwischendurch einzeln ein wenig bewegen, weil immer die zwei Anderen beim Gepäck waren.
 

 

Nach ungefähr sechs Stunden Verspätung kamen wir Freitag Früh in Duschanbe an. Ich hatte zwar den Namen einer Frau, an die ich mich wenden sollte, aber keine Adresse, nur deren dienstliche Telefonnummer. Zu dritt gingen wir erst einmal Geld abheben. Somonis bekommt man nur im Land selbst, ansonsten wird empfohlen, mit US Dollars zu zahlen. Nach weiterer Warterei und Unsicherheit tauchte plötzlich wie ein Sonnenstrahl eine wunderschöne, jüngere Frau auf, die mich mit fragendem Ton mit meinem Namen ansprach und umarmte. Das war Mehrinisso, was in der Tat „Sonne“ heißt! Sie half zunächst den beiden Männern mit ein paar Informationen weiter, dann brachte sie mich bei sich zu Hause unter und fuhr zur Arbeit. Sie hatte mir zwar eine große Flasche Trinkwasser in mein Zimmer gestellt, dennoch trank ich von ebenso einer Flasche in der Küche ein paar Schluck. Ich merkte zwar gleich, dass es seltsam schmeckte, doch da war es schon geschehen. Es war Wasser aus der Leitung, das sie stets im Vorrat haben müssen, da alle paar Tage das Wasser für längere Zeit abgesperrt wird. Drei Tage später bei einer Lufttemperatur von 50° hatte ich Fieber, konnte nichts bei mir behalten, sollte aber am nächsten Tag weiter ins Pamirgebirge reisen, um meinen Sohn Philipp, der dort arbeitete, zu besuchen. Die Genehmigung zum Reisen in dieses Sperrgebiet ließ noch einen Tag auf sich warten; Zeit genug für mich, um wieder auf die Beine zu kommen.

 

Dienstag 6 Uhr früh fuhr ich mit Mehrinisso zu einem großen Hof, in dem viele Autos standen, die mehr oder weniger Geländefahrzeugen ähnelten. Sie handelte mit einem der Fahrer nicht nur einen Preis aus, sondern auch, dass er mir in Khorog, der Hauptstadt von Gorno-Badachschan (Berg-Badachschan) helfen sollte, ein Quartier für die Nacht zu finden und ein weiteres Auto nach Murghab im Osten des Pamir zu mieten. Es gibt keine offiziellen Taxis, sondern das sind Privatleute, die sich in diesem äußerst armen Land auf diese Weise ein bisschen Geld verdienen. Diese Autos werden von mehreren Leuten, die dasselbe Ziel haben oder zumindest in dieselbe Richtung fahren, gemietet.