Australien Reisebericht:
Das rote T-Shirt im Klohäuschen

Ein Bericht aus dem Carnavon National Park

 „Vorhin lief da noch ein kleiner Bach.“ Eine erschreckende, wenngleich triviale Erkenntnis. Und doch ein überwältigender Anblick, der sich meinem Mitstreiter und mir nun bietet: Aus dem Rinnsal, das sich durch den Carnavon National Park zieht, ist innerhalb kürzester Zeit ein reißender Strom geworden. Und das alles nur wegen eines T-Shirts, meines T-Shirts!

Ein handelsübliches rotes T-Shirt, Größe L. Ein kleines Stück Stoff hat uns in diese bedrohliche Lage gebracht. Ich hätte es besser wissen sollen. Mit der Natur ist nicht zu spaßen. Immerhin hat der Regen nachgelassen. „Hilft alles nichts“, so die lapidare Aussag meines Mitstreiters. Optimistisch wirft er seinen Rucksack auf die Schultern und Sekunden später ist er fast hüfttief in braunen Wassermassen verschwunden. Drei Monate reise ich (Simon) nun schon mit Phil durch Australien, doch eine derartige Unerschrockenheit hat er bisher selten an den Tag gelegt. Fast schon komisch wirken jedoch seine angestrengten Armbewegungen, um das Gleichgewicht zu halten. Ein Lächeln kann ich mir dabei nicht verkneifen. 

Zwei Tage vorher, 30 Grad, blauer Himmel und zwei enthusiastische Backpacker, die nach fünf Wochen ermüdender Arbeit als Erntehelfer nun das nötige Kleingeld besitzen, um ihrer Abenteuerlust endlich auch außerhalb der eigenen Gedankenwelt nachzugehen. Der Ratschlag eines befreundeten Australiers führte uns in den 500 km von der Ostküstenstadt Rockhampton, landeinwärts liegenden Carnarvon National Parc.