3. bis 18. Oktober 2009

 
„Helft mit, helft mit! Alleine kann ich sie nicht halten“ rief Cilfredo. Blitzschnell packe ich zu, aber auch zu zweit haben wir keine Chance, die mächtige Anaconda festzuhalten. Erst als drei weitere Männer mit anpacken, schaffen wir es, die riesige Würgeschlange auf den Weg zu ziehen. Unser Adrenalinspiegel ist in die Höhe geschnellt, und wir sind in heller Aufregung, als das Riesentier vor uns liegt.
 
Dass wir gleich zu Beginn unserer Reise durch Venezuela eine sechs Meter lange Anaconda „hautnah“ erleben würden, war für uns eine Sensation. Das hätte ich mir nie träumen lassen. Aber der Gestank vom Körperschleim der Schlange an meinen Händen und Schuhen macht nicht nur meiner Nase klar, dass ich nicht träumte.

Viel Schönes haben wir gesehen und erlebt und dafür mit viel Schweiss und noch mehr Moskitostichen und Wanzenbissen bezahlt. Manches Mal haben wir geflucht und gelitten, doch manches Mal haben wir die Schönheit der Natur in ihrer ganzen Pracht und Vielfalt kaum fassen können und alle Mühsal vergessen. Es war eine wahrlich „heisse Tour“ voller Gegensätze, sehr anstrengend und doch voller Faszination.

 
 
Nun aber erzähle ich von Anfang an.
 
Obwohl ich schon soviele Reisen gemacht habe, packt mich doch jedes Mal das Reisefieber wieder, als wäre es das erste Mal. Sorgfältig Koffer packen, sich alle Tricks und Reisekniffe wieder in Erinnerung rufen, dann ab nach Frankfurt. Schauen, was sich auf der Mühle getan hat und klönen mit Gitte und Jochen, noch einmal in einem komfortablen Bett schlafen und los geht’s zum Flughafen. Fünf Minuten, bevor der Flieger abhebt, habe ich endlich die ganzen Sicherheitskontrollen geschafft und komme als allerletzter Fluggast angehetzt. Beim nächsten Mal werde ich die angegebene Boardingtime nicht mehr ernst nehmen, sondern viel früher dort sein.

 
Dann aber nimmt der Lufthansa-Airbus die 8.200 Kilometer bis Caracas unter die Flügel. Wir werden bestens versorgt, und krakeelende Kinder gibt es auch nicht an Bord. Die Toiletten befinden sich eine Treppe tiefer auf der Ebene des Frachtraumes. Das kannte ich bisher noch nicht, fand diese Lösung aber sehr positiv.

 
Es ist ein Tagesflug über den Wolken. Durch die Zeitverschiebung von minus 6 ½ Stunden landen wir nach 10 Stunden am gleichen Tag um 15.00 Uhr in Caracas-Maicetia bei grauem Himmel. Der Donner grollt, als ich die elendlange Passkontrolle hinter mich bringe und Gott sei Dank meinen Trolley auf dem Band vorfinde. Auf Hinweis des Reiseveranstalters sollte ich möglichst gleich am Flughafen am Wechselschalter Dollars tauschen, da dies im Land mit erheblichen Problemen oder gar nicht ginge. Also tausche ich gleich 300 Dollar um und bekomme dafür 650 Bolivar fuerte, wie sich die venezolanische Währung nennt. Als ich in der Ankunftshalle ankomme und nach den anderen Teilnehmer suche, werde ich gleich von Cilfredo angesprochen, unseren sympathischen venezolanischen Reiseleiter. Gertrud stellt sich vor und die übrigen Teilnehmer ebenfalls mit Vornamen. Das vereinfacht die Sache. Insgesamt sind wir elf Reiselustige. Ich erfahre, dass alle beim Reiseleiter Geld tauschen können zum doppelten Kurs. Sehr ärgerlich, dass mein Veranstalter das nicht wusste. So wird für mich auch alles doppelt so teuer, und billig ist Venezuela nicht.