Ich habe ein Jahr in Costa Rica gelebt und gearbeitet, somit ist der folgende Bericht eher ein wichtiger Ausschnitt meines Lebens. Ob Regen oder Sonnenschein, ich habe waehrend des ganze Jahres jede Ecke Costa Rica Info kennen und lieben gelernt. Fuer mich gehoert in ein Reisebericht nicht nur die Natur eines Landes, sondern vor allem auch die Kultur und besondere Gegebenheiten. Deshalb hier der etwas andere Reisebericht...meine Top Ten Erfahrungen mit einer fremden Kultur...

1. Begrüßung 

In den ersten 2 Wochen habe ich sehr viele Menschen kennengelernt. Ich konnte mir noch lange nicht alle Namen merken, aber was mir bei jedem ersten Kennenlernen aufgefallen ist, war die herzliche Begrüßung- ein Kuss auf die Wange. Frauen wie Männer begrüßten sich gegenseitig meist sehr herzlich. Hier war sehr selten ein einfacher Handschlag zu sehen, welcher wiederum in Deutschland meist komplett entfällt, weil sogar dieser überbewertet wird. Zunächst einmal fand ich es gewöhnungsbedürftig, fremde Menschen mit soviel Nähe zu begrüßen. Aber auch diese Form der Begrüßung hat Vorteile und man fühlt sich dann auch weniger fremd. Relativ schnell hatte ich mich dann doch an die für uns Europäer recht stürmische Begrüßung gewöhnt. Andere Vorgehensweisen bei der Begrüßung, sind also ein sehr sicheres Indiz eines „ Fremdlings“.

Zurück in Deutschland ist mir sehr schnell das Gegenteil bewusst geworden. Hier geht es meist im Vorbeigehen mit einem „Hallo“. Auch ist ein Küsschen zwischen „Männern“  hier eher anrüchig als vertraut. Würde ich in Deutschland fremde Menschen egal in welcher Situation einfach mit einem Kuss begrüßen, würde das wahrscheinlich sogar verrückt wirken.

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2. Siezen in jeglicher Situation
 
 Während meines Studiums wohnte ich in einer Gastfamilie, mit zwei Erwachsenen, einem Kind und einem Hund. Diese Familie besaß zwei Häuser, die durch einen Hof verbunden waren. Oft traf man sich dort nach einem langen Tag.
Nachdem ich schon eine etwas längere Zeit dort verbracht hatte, trafen wir uns an einem Tag im Vorderhof meiner Gastfamilie. Meine Gastmutti sagte: „ Setzen Sie sich“. Daraufhin setze ich mich. Doch sie wiederholte diesen Satz noch einmal, was mich schon etwas verwunderte, denn ich hatte es mir ja bereits in einem Sessel bequem gemacht. Doch dann merkte ich, dass sie nicht mich, sondern den kleinen Hund neben mir meinte. Das man Hunde siezte, fand ich schon sehr grotesk und witzig zugleich.
Wochen später beobachte ich einen Vater und sein Baby. Er redete sehr liebevoll mit dem Kleinen und dann hörte ich, dass er sein Baby tatsächlich siezte. Wir wurden zwar vorbereitet auf das Siezen der „Ticos“, aber gewöhnungsbedürftig war es trotzdem jedes Mal, wenn sogar die eigenen Kinder gesiezt wurden.
 

3. Orientierung und das Chaos der Strassen

Schon nach Ankunft bei meiner Gastfamilie, hatte ich eine kleine Odyssee mit dem Taxi hinter mir. Auf einem Zettel hatte ich die Adresse meiner Gastfamilie stehen und wusste selbst soviel, dass wir einen Laden namens „Almacen Lemay“ suchten. Meinen Informationen zufolge sollte nämlich meine Adresse 100 m östlich von diesem Laden sein. Ohne lange zu überlegen fuhr mein Taxifahrer los und ich war mir sicher, meiner Gastfamilie bald gegenüberzustehen. Dies war allerdings ein Irrglaube, wir fuhren und fuhren bis mein Taxifahrer endlich Anwohner befragte, was jedoch nicht verhinderte, dass wir noch einige Male im Kreis herumirrten. Inzwischen wusste ich schon selbst, dass es eins der drei Häuser sein musste, die 100 m östlich lagen. Endlich angekommen bemerkte ich, dass es noch nicht mal Namensschilder oder Klingeln gab. Also musste ich mich mit lautem Rufen behelfen und hatte auch Glück, ich war bei meiner Gastfamilie angekommen. Der Ort, indem ich wohnte, war eigentlich sehr klein, aber ohne Straßenschilder, schien es doch recht schwierig die genaue Adresse zu finden, selbst der Taxifahrer hatte ja Probleme. Wie ich später erfuhr lag es daran, dass es diesen Laden schon seit geraumer Zeit nicht mehr gab, aber die Adresse dennoch beibehalten wird. Ich wusste sehr schnell, dass bei meiner fehlenden Ortskenntnis diese Art der Orientierung eine große Herausforderung sein wird. In kleineren Städten werden oft Läden oder andere auffällige Gebäude als Orientierungshilfe genommen und von dort aus, geht es dann meisten 100m (meist eine Straße) in eine bestimmte Himmelsrichtung, um dahin zu gelangen wohin man eigentlich will.