Frachtschiff-Reisebericht:
Meine Frachtschiff-Reise rings um Australien und Neuseeland

 

Frachtschiffreise zum „Ich“ am anderen Ende der Welt

 

 

 

 

 

 

 

Für Schnellleser ein Überblick:

Eine etwas andere Art zu reisen ist eine Mitfahrt auf einem Frachtschiff als Passagier. Auf dem Rundtrip Singapur-Jakarta-Australien-New Zealand- Singapur (49 Tage) gibt es nurzwei Passagier-Kabinen. Aber es gibt einen Außenpool, der auf See täglich mit frischem Meerwasser gefüllt wird, eine Sauna und einen Sportraum. Die Passagiere essen zusammen mit den Offizieren in der Offiziersmesse. Uniform trägt hier keiner. Die Liegezeiten in den Häfen sind zwischen 6 und 36 Stunden sodass genügend Zeit für Landgänge bleibt. In jeder angelaufenen Stadt gibt es eine Seemann's Mission. Ein kostenloser Shuttle-Bus bringt Seeleute und Passagiere zu dieser Mission die oft im Zentrum der Städte liegt. In der Mission kann man kostenlos das Internet benutzen, nach Hause telefonieren und Souvenirs kaufen. Hier wird man auch mit Info-Material wie z.B. einem Stadtplan versorgt oder welche Aktivitäten man unternehmen kann. z.B. in Sydney der Besuch der berühmten Oper oder Bridge-Climbing über die Hafenbrücke. Auf See kann man den Maschinenraum und die Brücke besichtigen. Die Offiziere erklären die Funktionsweise von Radar, Navigation und Schweröl-Motor. Die Crew ist international. Deutsch, russisch, indisch und Kiribati. Die Kiribati-Gruppe ist den ganzen Tag damit beschäftigt das Schiff zu streichen. Es gibt drei warme Mahlzeiten am Tag. Donnerstag (Seemann`s Sonntag) und Sonntag auch Eis und Kuchen. Und jeden Tag ist Kapitäns-Dinner. Bei der Einreise muss man nicht wie im Flughafen Schlange stehen. Das Immigration Team kommt an Bord.
Fazit dieser Reise für mich war „Wohin auch immer Du reist Du wirst immer bei Dir ankommen“.  

 
Für weiterhin Interessierte: 
Eine Frachtschiffreise ist keine Pauschalreise. Das merkt man schon bei der Beschaffung der Visa. Hier sollte man unbedingt angegeben das man mit einem Frachtschiff einreisen will. Anders als im Flug- oder Passagierschiffhafen ist man im Containerhafen nicht auf Passagiere spezialisiert. Hier hat die Ladung Priorität. Für den Hafenagenten sind Passagiere zusätzliche Arbeit. Auch ist eine Gelbfieberimpfung vorgeschrieben, die bei Einreise per Flugzeug oder Passagierschiff nicht notwendig ist. Man wird wie ein Crew-Mitglied behandelt und die kommt aus aller Herren Ländern. Nicht nur aus reisefreudigen, geimpften Industrieländern.
Einschiffhafen war Singapur. Den Flug und das Hotel habe ich selbst organisiert. Die Reise über Internet gebucht.  Da Frachtschiffe zwar nach einen festgelegten Fahrtplan fahren aber Liegezeiten, Wind und Wetter dennoch den Plan beeinflussen plante ich 3 Tage vorher und ebenso 3 Tage nach der Reise in Singapur zu sein. Und das war gut so. In Singapur sollte man unbedingt den „Singapore Flyer“, ein Riesenrad und „Sentosa“ eine Vergnügungspark-Insel gesehen haben. Das Schiff war pünktlich aber es kam nicht in den Hafen, sodass der Hafenagent mich im Hotel anrief und ich eine Nacht länger bleiben musste. Da ich so schnell wie möglich auf „mein“ Schiff wollte holte mich morgens um 7:00 Uhr ein Subunternehmen des Hafenagenten pünktlich ab. Jetzt wusste ich auch wofür ich Hafengebühren bezahlt hatte. Singapur hat mehrere Seehäfen und der Fahrer wusste genau wo er mich hinbringen  sollte. Im Hafen wurde ich registriert, ein Foto von mir gemacht und ich bekam einen Hafenpass. Dieser war gültig für 2 Tage also bis zur Abfahrt des Schiffes. Abschließend brachte mich mein „Taxi“ direkt zum Schiff. Im Hafen darf man aus Sicherheitsgründen nicht zu Fuß unterwegs sein. Es könnte einem ja ein Container auf den Kopf fallen, was allerdings seltener vorkommt als von einer Kokosnuss erschlagen zu werden. Der Hafen war so groß das ich mein Schiff alleine sicher nicht gefunden hätte. Und da lag es nun. Mein Zuhause für die nächsten 7 Wochen. Ich kenne schon 3 Partyschiffe mit dem Gesicht am Bug. Aber das war doch etwas ganz anderes. Kein freundlicher Kussmund mit blauem Auge empfing mich sondern ein schwarz gestrichenes Monster von 216 m Länge und 32 m Breite. Baujahr 1992 und außen auch schon entsprechend verbeult, verkratzt und angerostet. Heimathafen ist Monrovia in "Liberia". Aber ich glaube das Schiff war noch nie in seiner Heimat. Der Mannschaftsbereich ist weiß gestrichen. Man nennt das den Aufbau des Schiffes. Absolut kein Platz für Passagiere aber für 2700 Container. Die z. Zt. auch heftig ein- und ausgeladen wurden. Man nennt das Ladung löschen. Übrigens ein Frachtschiff heißt auch Frachter, nicht weil es Fracht transportiert, sondern weil es mit seiner Ladung Fracht verdient. Jetzt stand ich vor der sehr wackeligen Gangway und dachte someone should pick me up. No way.