Island Reisebericht:
14 Tage durch das Wilde Island

Mein Schlusswort im letzten Jahr war: "Das Spinnennetz hat mich gefangen und ich muss einfach zurückkehren." - Was hätte ich also dagegen tun können? So bin ich jetzt, eineinhalb Jahre später, zurück auf der Insel aus Feuer und Eis, diesmal zu einer anderen Jahreszeit, die der Insel aber nichts von ihrem unglaublichen Charme nimmt.

Am Flughafen Keflavik fand ich mich zurecht, als wäre ich erst gestern hier gewesen. Und die damals karge Mondlandschaft der Reykjanes Halbinsel wirkte jetzt auch nicht mehr ganz so fremd und unwirtlich. Die mit grünem Moos bewachsenen Lavasteine leuchteten in der Sonne, auch das Wetter war ein krasser Gegensatz zu dem verregneten Frankfurt, aus dem wir heute, am Mittag des 21.05., gestartet sind. Da wir nur Fly & Drive gebucht hatten, mußten wir uns natürlich erst eine Unterkunft suchen, aber die nette Dame von der Hertz-Autovermietung telefonierte sich für uns die Finger wund und so kamen wir schließlich im Gistiheimilid Anna unter. Obwohl uns der Preis anfangs erschreckt hatte, waren wir nach einem Rundgang durch Reykjavik und einem Vergleich mit anderen Pensionen und Jugendherbergen doch mehr als zufrieden. Nach meinem planlosen Herumstreifen im Januar letzten Jahres fühlte ich mich dieses Mal wie zu Hause und fand mich in den Straßen wunderbar zurecht. Eine lustige Begegnung hatten wir bei unserem Rundgang im Gistiheimilid Aurora, dort wurden wir schon an der Tür auf französisch begrüßt und da meine Begleitung sehr gut französisch spricht, unterhielt sie den "französischen Isländer" so lange, dass diesem fast sein Essen anbrannte. Tja, Zufälle gibt es ;-) und es sollte nicht der einzige Zufall sein. Und nachts um 10 Uhr saßen wir in unserem Zimmer und staunten über den taghellen Himmel - ein unglaublicher Gegensatz zu der Dunkelheit im Januar. Diese Nacht wachten wir einige Mal auf und schauten verwirrt auf die Uhr, weil die Sonne einfach nicht untergehen wollte. Es sollte einige Tage dauern, bis wir uns an diese hellen Nächte gewöhnt hatten, die einem so viel länger erscheinen als in Deutschland.

Der zweite Tag startete grau und regnerisch, aber wie heißt es so schön in Island: Einfach mal eine Stunde warten, dann ist das Wetter wieder ganz anders. Gut, zu Sonnenschein kam es nicht wirklich, aber zumindest hörte es auf zu regnen. Nach einem Spaziergang durch die Stadt entschieden wir uns für einen Ausflug. Zur Auswahl standen Grönland und die Westmänner, wobei wir uns schließlich für letzteres entschieden, weil Grönland für einen Tagesausflug wohl doch etwas weit weg war. Am Inlandsflughafen in Reykjavik standen wir zusammen mit einer Schulklasse vor einer kleinen Propellermaschine, die, nachdem wir die Maschine betreten hatten, auch schon voll besetzt war. Wenn wir uns angesichts der kleinen Maschine schon etwas unwohl gefühlt hatten, war die Landung noch viel abenteuerlicher. Die Maschine setze auf der schwarzen Lavapiste auf und rumpelte über die Steine, bis sie endlich zum Stehen kam. Dann wurde sie von einem Flughafenmitarbeiter per Hand eingewiesen - wo gibt es sowas schon? Unser Reiseleiter war am kleinen Flughafen Heimaey nicht zu übersehen und so starteten wir anfangs zusammen mit der isländischen Schulklasse zum Krater Eldfell, der 1973 die ganze Insel unter Feuer und Asche begraben hatte. Damals hatten die Menschen Glück, dass alle Fischer aufgrund des schlechten Wetters im Hafen lagen, denn nur so konnten alle evakuiert werden. Das Wetter von heute könnte etwas an damals erinnern, aber darüber denken wir lieber nicht nach. Vorbei an schwarzen, roten und hellen Lavasteinen wagten wir den Aufstieg und standen schließlich oben zwischen dampfenden Steinen am Kraterrand.