Kurz bevor die Sonne ganz über dem Wasser auftaucht, klingelt der Wecker – ein letztes Überbleibsel, was an die  Technologie, die in der Welt da draußen, in der Welt aus der wir gekommen sind, zum Alltag gehört. Doch hier gibt es keinen Alltag.

Ich drehe mich langsam zur Seite, die Hängematte wiegt sich langsam mit meinen Bewegungen. Mit noch geschlossenen Augen atme ich tief ein. Die Feuchtigkeit in der Luft ist spürbar, sie liegt auf meiner Haut wie eine angenehme Decke. Ich spüre die Wärme, die mit der Sonne kommt, erahne, wie die letzten Regentropfen aus der Nacht langsam an den riesigen Blättern der Bäume am Flussufer  herab perlen.  Ich merke, wie sich das Schiff im Wasser bewegt, höre wie wir immer weiter in die Tiefen des Flussgebietes eindringen und wie langsam neben mir nach und nach alle anderen erwachen.

 

Immer noch mit geschlossenen Augen genieße ich den Augenblick.  Das ist nicht die Welt, die ich kenne, das ist nicht die Realität aus der ich komme. Ich öffne die Augen, sehe aus der Hängematte heraus die unglaublichen Weiten des Wassers, die unbeschreibliche Vielfalt von Pflanzen. Bei uns würde man schlicht und einfach grün sagen, doch das reicht nicht. Die einen schimmern leicht im feuchten Tau, die anderen glänzen in der aufgehenden Sonne, wieder andere sind satt und dunkel und daneben wachsen helle, sich windende Büsche.  Ein undurchschaubares Chaos, geordnet auf seine ganz eigene, perfekte Art und Weise.

Nein, das ist nicht die normale Welt. Das ist die Welt des Amazonas.