Nicht auf offener See, doch die Hauptinsel schon im Rücken, kleine Felsbrocken im Meer vor der Nase, den lauen Wind im Haar, sitze ich bei heftigem Regenschauer unter der schützenden Plane im Hinterdeck, atme tief durch und merke allmählich, dass ich im Urlaub angekommen bin.

Gelegentlich treffe ich auf meine Mitreisenden. Die meisten kennen sich bereits von einer früheren Fahrt nach Süd Georgien, die zwar auf Jörgs Webseite stand, für die ich Frostbeule mich aber nicht erwärmen konnte. Später erfahre ich, dass die Bande just auf jener Antarktis-Tour eben die Aldabra-Reise ausgeheckt hatten, die wir nun alle versäumten.

Richie erweist sich bald als unerschöpfliche Informationsquelle für alles in Sachen Fauna und Flora. Nachdem ich schon geglaubt hatte, ein bisschen rumgekommen zu sein, erscheinen mir seine außergewöhnlichen Reisen, von denen er erzählt, nur noch wie Spazierfahrten. Und Richie ist ein begnadeter, herrlich selbst-ironischer Erzähler, was das Zuhören doppelt interessant macht.

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Irgendwann treffe ich im Heck auch auf den Captain zu einem Schwätzchen. 31 Jahre alt, Israeli, natürlich mit abgeleistetem Militärdienst (eine zusätzliche Erklärung für seinen Kommando-Ton an Bord). Ob ich jüdisch sei, will er wissen. Viele seiner Freunde in Israel tragen nämlich denselben Familiennamen wie ich, erklärt er. Verdutztes Staunen meinerseits: Von Vorfahren, Verwandten jüdischen Glaubens wisse ich nichts, sage ich, nur dass meine Oma väterlicherseits aus Oberschlesien, dem heutigen Polen, stamme.

Ob ich auch an den Tauchgängen teilnehme? Einen Tauchschein habe ich zwar, erzähle ich, aber da sei diese leidige Geschichte  mit der Tauchversicherung, die auch noch abzuschließen ich nach dem ganzen Hickhack vor der Abreise keine Lust mehr hatte. Maske und Schnorchel habe ich dabei, den Rest zu Hause gelassen und beschlossen, mich mit Schnorcheln zu begnügen. Der Captain bietet mir einen Probetauchgang mit Damiel, seinem Ersten Offizier und Tauchlehrer, an. Wenn das o.k. sei, könne ich mittauchen. Warum dann das ganze Theater mit der Tauchversicherung? Und was mache ich mit meiner Enttäuschung, wenn ich sehe, wie auch hier sich die Unterwasserwelt verändert hat seit meinen Tauchgängen 1978 rings um La Digue, Silhouette und Bird Island? Ich bedanke mich beim Captain für das Angebot, bleibe aber bei meiner Schnorchel-Entscheidung.