Die wichtigste „Verteidigungslinie“ besteht aus drei zyklopischen, terrassenförmig übereinander gebauten Zickzackmauern. Sie sind 600 m lang. Die untere Mauer ist 9 m, die mittlere 10 m und die obere 5 m hoch. Zum Bau der Mauer wurden riesige Steine von den 20 km entfernten Steinbrüchen heran transportiert und dann bearbeitet, bis sie fugenlos aneinander passten. Der größte Stein ist 9 m hoch, 5 m breit, 4 m dick und wiegt über 200 Tonnen. Ungeklärt ist, wie die Inka die Steine transportiert haben, da sie weder Rad noch Rolle kannten. Für die Bearbeitung verwendeten sie spezielle Steinwerkzeuge, denen selbst harter Granit nicht standhielt.
Oben sind die Überreste von zwei viereckigen Türmen und einem runden Turm, dem Muya Marca, zu sehen. Sie sind durch unterirdische Gänge miteinander verbunden. Die Terrassen sind von Kanälen zur Wasserversorgung und zur Ableitung von Regenwasser durchzogen. Hinter den Wällen liegt ein großer Platz, auf dem auch heute noch jährlich am 24. Juni das Sonnenfest Inti Raymi gefeiert wird, das sogar der Präsident besucht.
Wir wandern durch die Anlage, zuerst entlang der gewaltig wirkenden Zick-Zack-Mauer, dann durch ein Tor über Treppen und Aufgänge bis auf das höchste Plateau. Immer wieder halten wir an um ein Bild von einer Mauerpartie mit den so exakt gesetzten Steinquadern zu machen. Einige Bereiche sind abgesperrt weil es da immer noch archäologische Arbeiten gibt, andere weil man da Zerstörung durch die Besucher befürchtet. Deshalb, so hatte Lukas gerade gesagt, gelten für das große Fest auch wesentlich restriktivere Bedingungen. Auf die Mauern darf niemand mehr klettern.
Ganz oben ist der Platz der Türme abgesperrt. Da versuchen wir von einem kleinen Erdhügel aus einen Blick auf die Fundamente zu werfen. Als ich da äußere, das ist daheim eine Betrachtung auf Google Earth wert meint Gisela: wenn Du daheim alles ansehen kannst, warum reist Du dann umher. Ach, das ist doch nur um das Verständnis über die Zusammen-hänge zu bekommen. Das ist halt meine Art der Reisenachbearbeitung.
Begeistert sind wir natürlich auch von dem fantastischen Blick den wir von hier oben auf die ganze Stadt, und speziell auf das Zentrum haben.
Der nächste Haltepunkt ist Kenko. Hier gibt es ein Heiligtum für die Erdgöttin Pachamama. Opferschalen in den Felsen, kleine darin eingeschliffene Becken, eine schlangenförmige Rille, Altarähnliche Gebilde in einer Höhle. Daneben ein spitz nach oben verlaufender Monolith von sechs Metern Höhe. Alles das ist beeindruckend, aber durch keinerlei archäologische Erkenntnisse endgültig geklärt.